Therapieerwartungen bei Zwangsstörungen

Das tagesklinische Therapieangebot des 8-Wochen-Rehabitlitationsprogrammes beinhaltet:

  • Wöchentlich durchschnittlich 6 therapeutische Stunden (Gruppen- und Einzelpsychotherapie, Ergotherapie)
  • Physio- und Sporttherapie einzeln und in der Gruppe 4 Stunden wöchentlich
  • Entspannungstraining nach Jacobson
  • Selbtsicherheitstraining nach Ullrich (Wünsche und Bedürfnisse äussern lernen, Abgrenzung) 1 Stunde wöchentlich
  • Computertrainingsmethoden 1 Stunde wöchentlich zur Objektivierung der kognitiven Defizite.

Dabei legen wir besonders Wert auf:

  • Die Beobachtung des Sozialverhaltens in der Gruppe
  • Führen von Zwangsprotokollen
  • Expositionsübungen (Verhinderung des Zwangsverhalten) sowie Versuch, das Zwangsverhalten durch Protokolle zu beschränken
  • Erlernen des Umgangs mit dem Zwangverhalten (Entspannungsübungen, Sport usw.)
  • Erlernen von alternativen Verhaltensweisen und Kompensationsmöglichkeiten
  • Normalisierung und Strukturierung des Alltags
  • Einleitung von sozialmedizinischen Massnahmen (Berufsberatung, Hilfestellungen bei Berufs-, Ausbildungs-, finanziellen- und Wohnort-Fragen, etc.).

Die Therapieziele die wir grundsätzlich setzten sind:

  • Reduktion des Zwangsverhalten, dauerhaft
  • Stärkung der Ressourcen
  • Erlernen von Entspannungsübungen und Kompensationsmöglichkeiten
  • Verhinderung von Folgeerscheinungen, wie soziale Isolation, Medikamentenabusus, körperliche Folgen durch Zwangshandlungen, Suizidalität usw.) 

Dazu arbeiten wir mit zunächst in einer ersten Prozessphase:

  • an der Therapiemotivation
  • an der Compliance (führen von Essprotokollen, Suchen nach alternativen Verstärkern)
  • Vertieftes Verständnis der Problem- und Krankheitszusammenhänge
  • am Zugang zur körperlichen Erlebnisfähigkeit über Sport- und Physiotherapie.

Diese erste Prozessphase kann sich über einen längeren Zeitraum, oft sogar über die gesamte Dauer der 8 Wochen erstrecken. Das bedeutet, dass Symptomfreiheit nicht erreicht wird, aber das Bewusstsein für weitere therapeutische Schritte geschaffen worden ist.

Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur und den kognitiven Fähigkeiten kann ferner:

  • an der Introspektionsfähigkeit
  • an der Konfrontierbarkeit
  • an der Konfliktfähigkeit gearbeitet werden.

Falls indiziert werden auch mediamentösen Therapien eingesetzt, dies in Rücksprache mit den vor- und nachbehandelnden Ärzten.

Wissenschaftlich zu erwartende Erfolgsrate im Rahmen der verhaltensmedizinischen Zwangsbehandlung

  • Ritualverhinderung und Exposition führt zu 75% Verbesserung (Foa et al., 1984).
  • Expositionstherapie und Anafranil bzw Fluctine wirken besser als unspezifische Therapien und Gedankenstopp (Christensen et al., 1987; Cox et al., 1993). Bei Absetzen der Medikamente sind Rückfälle wahrscheinlich (Franklin & Foa, 1998).
  • Porgramme zur Verhinderung von Rückfällen sind notwendig 75% vs. 33% können den Erfolg halten (Hiss et al., 1994). Selbsthilfegruppen scheinen den Effekt nicht vergrössern zu können (Emmelkam & van Oppen, 2000).
  • Gruppenprogramme sind effektiver als individuelle Therapie, intensive Programme deutlich effektiver (Foa et al, 1984).
  • Ein stationäre Behandlung ist bei den meisten Zwangspatienten nicht effektiver als eine intensive ambulante Behandlung (Emmelkamp & van Oppen (2000). 

Literatur

Christensen, H., Hadzi, D., Andrews, G. & Mattick, R. (1987). Behavior therapy and tricyclic medication in the treatment of obsessive-compulsive disorder: A quantitative review. Journal of Consulting and Clinical  Psychology, 55(5), 701-711.
Cox, B.J., Swinson, R.P., Morrison, B., & Lee, P.S. (1993). Clomipramine, fluoxetine, and behavior therapy in the treatment of obsessive-compulsive disorder: A meta-analysis. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 24(2), 149-153.
Emmelkamp, M.G. & van Oppen, P. (2000). Zwangsstörungen. Göttingen: Hogrefe.
Foa, E.B., Steketee, G., Grayson, J.B., Turner, R.M., & Latimer, P. (1984). Delibarate exposure and blocking of obsessive-compulsive rituals: Immediate and long-term effects. Behavior Therapy, 15(5) 450-472.
Franklin, M.E., & Foa, E.B. (1998). Cognitive-behavioral treatments for obsessive compulsive disorder. In In P.E. Nathan, & J.M. Gorman (1998). A guide to treatments that work (S. 339-357). New York: Oxford University Press.
Hiss, H., Foa, E.B., & Kozak, M.J. (1994). Relapse prevention program for treatment of obsessive-compulsive disorder. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 62(4), 801-808. 

Beispielstundenplan