Therapieerwartungen bei chronischen Schmerzen

Das tagesklinische Therapieangebot des 8-Wochen-Rehabitlitationsprogrammes beinhaltet:

  • Wöchentlich durchschnittlich 6 therapeutische Stunden (Gruppen- und Einzelpsychotherapie, Ergotherapie)
  • Physio- und Sporttherapie einzeln und in der Gruppe 4 Stunden wöchentlich
  • Entspannungstraining nach Jacobson
  • Selbtsicherheitstraining nach Ullrich (Nein-sagen, Soziale Kontakte knüpfen) 1 Stunde wöchentlich
  • Computertrainingsmethoden 1 Stunde wöchentlich.

Dabei legen wir besonders Wert auf:

  • die Beachtung des Sozialverhaltens in der Gruppe
  • Aufbau von Kompensationsmöglichkeiten
  • Erlernen von Entspannungsmöglichkeiten mit Hilfe des Biofeedbacks
  • Führen von Schmerztagebüchern
  • Einleitung von sozialmedizinischen Massnahmen (Berufsberatung, Hilfestellungen bei Berufs-, Ausbildungs-, finanziellen- und Wohnort-Fragen, etc.).

Die Therapieziele die wir grundsätzlich setzten sind:

  • Erhöhung der Schmerztoleranz
  • Verbesserung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • Besserung durch Adaptation der verbliebenen Fähigkeiten
  • Verhinderung von Folgeerscheinungen.

Dazu arbeiten wir mit der Patientin zunächst in einer ersten Prozessphase:

  • an den Umständen der Zuweisung, wir nehmen die Beschwerden ernst, vereinbaren gegenseitig akzeptable Ziele, fokussieren die Aufmerksamkeit auf das Management der Symptome und sprechen uns mit den Behandlern im gegenwärtig vorhandenen Behandlungsnetz ab
  • an der Therapiemotivation
  • an der Compliance
  • Vertieftes Verständnis der Problem- und Krankheitszusammenhänge
  • am Zugang zur körperlichen Erlebnisfähigkeit über Sport- und Physiotherapie.

Diese erste Prozessphase kann sich über einen längeren Zeitraum, oft sogar über die gesamte Dauer der 8 Wochen erstrecken. Das bedeutet, dass Symptomfreiheit nicht erreicht wird, aber das Bewusstsein für weitere therapeutische Schritte geschaffen worden ist. 

Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur und den kognitiven Fähigkeiten kann ferner:

  • an der Introspektionsfähigkeit
  • an der Konfrontierbarkeit
  • an der Konfliktfähigkeit gearbeitet werden.

Falls indiziert werden auch mediamentösen Therapien eingesetzt. Dies in Rücksprache mit den vor- und nachbehandelnden Aerzten.

Wissenschaftlich zu erwartende Erfolgsrate

  • Die Arztbesuche nehmen signifikant ab, die subjektive Gesundheit ist allerdings nach der Behandlung nicht besser (Smith, Monson, & Ray, 1986, Zielke, 1993)
  • Die körperliche Funktionstüchtigkeit nimmt signifikant zu (Rost, Kashner, & Smith, 1994)
  • Kognitiv-behavirale Behandlungen und medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva sind am wirkungsvollsten (Simon, 1998)
  • Gruppentherapien und schmerzmedikamentöse Therapie sind der Einzeltherapie mit Medikamenten überlegen und führen zu einer vermehrten Abnahme von Schmerzen, Vermeidungsverhalten, Katastrophisierungen und Depressionen sowie einer Verbesserung der Alltagsfunktionen (Kröner-Herwig, 2000)
  • Back in time (integriertes sportmedizinisches Programm) führt zu einer Zunahme der Arbeitsfähigkeit, zu einem Rückgang von Arztkonsultationen (Keel et al., 1996)
  • 51% der Patienten fühlen sich nach der Behandlung mindestens mässig gebessert (Kaplan et al., 1993)
  • 1/3 der Patienten sind nach einem Intensivprogramm deutlich, 1/3 mässig gebessert (Shorter et al., 1992)
  • Niedrig dosierte Amitriptyline (Saroten, Tryptizol, Limbitrol) führen bei Fibromyalgie zu positiven Resultaten (Carette, McCain, Bell, & Fam, 1986)

Das einzeltherapeutische Angebot

Einzeltherapie nach Bedarf.

Literatur

Carette, S., McGain, G.A., Bell, D.A., & Fam, A.G. (1986). Evaluation of amitriptyline in primary fibrositis. Arthritis and Rheumatism, 29, 655-659.
Kaplan, K. Goldberg, D.L., & Galvin-Nadeau. M. (1993). The impact of a group meditation based stress reduction program on fibromyalgia. General Hospital Psychiatry, 15, 284-289.
Keel, P., Wittig, R., Diethelm, U., Knüsel, O., Rudolf, T., & Spring, H. (1996). Multizentrisches Interventionsprojekt zur funktionellen Wiederherstellung von Patienten mit lumbalen Rückenschmerzen durch ein integriertes, sportmedizinisch orientiertes Behandlungsprogramm. In P. Keel, C. Perini, D. Schütz (Hrsg.). Chronifizierung von Rückenschmerzen: Hintergründe, Auswege. Basel: Eular Verlag.
Kröner-Herwig, B. (2000). Rückenschmerz. Göttingen: Hogrefe.
Rost, K., Kashner, T.M., & Smith, G.R. (1994). Effectiveness of psychaitric intervention with somatization disorder patients: Improved outcomes at reduced costs. General Hospital Psychiatry, 16, 381-387.
Shorter, E., Abbey, S.E., Gillies, L.A., Singh, M., & Lipowski, Z. (1992). Impatient treatment of persistent somatization. Psychosomatics, 33, 295-300.
Simon, G.E. 1998). Management of somatoform an dfactitious disorders. In P.E. Nathan, & J.M. Gorman (1998). A guide to treatments that work (S. 408-422). New York: Oxford University Press.
Smith, G., Monson, R.A., & Ray, D.C. (1986). Psychiatric consultation in somatization disorder. New England Journal of Medicine, 314, 1407-1413.
Zielke, M. (1993). Die Wirksamkeit stationärer Verhaltenstherapie. Basel: Beltz. 

Beispielstundenplan

Beispielstundenplan der Tagesklinischen Behandlung über den ganzen Tag. Eine Tagesklinische Behandlung nur am Nachmittag ist ebenfalls möglich. Bei Einzeltherapien sowie Einzelterminen individuelle Terminplanung. 

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